Die (de-)zentrale Plattform

Ghosts ActivityPub-Interface wird 2025 ausgerollt und könnte endlich die Lösung sein, die das Fediverse so dringend braucht.

Die (de-)zentrale Plattform

Das ist mein 12. Beitrag, und obwohl ich immer noch dabei bin, meinen Schreibmuskel zu trainieren, wird es langsam zu einer liebgewonnenen Routine. Es hilft auch, dass mittlerweile ein paar von euch hierher gefunden haben, sodass ich nicht alles nur in den Äther blase. Vielen Dank für jedes Feedback, das mich erreicht hat. Nur weiter so!

Am Wochenende bin ich jedoch auf etwas gestoßen, das mich zum Nachdenken gebracht hat, ob ich das Format meines Blogs noch einmal etwas anpassen sollte. Es handelt sich um eine Art Changelog von Ghost (der Service, auf dem mein Blog läuft) und dokumentiert alle vergangenen Updates des Teams rund um ActivityPub.

Kleiner Einschub: Was ist ActivityPub?

ActivityPub ist ein offenes, dezentrales Protokoll für soziale Netzwerke. Es ermöglicht die Kommunikation zwischen verschiedenen sozialen Netzwerkdiensten wie Mastodon, Threads, Flipboard oder Ghost, so dass Nutzer plattformübergreifend miteinander interagieren können.

Es ist im Grunde eine Alternative zu Gatekeepern wie Meta oder Twitter/X, die auf ihren Plattformen durch Algorithmen und Richtlinien bestimmen können, welche Beiträge von wem gesehen werden. Activity Pub ist eine föderierte Version des Internets (Stichwort: Fediverse), die niemandem gehört. Beiträge und Inhalte können von jedem gelesen und geteilt werden, der das Protokoll unterstützt. Ich habe mich unter anderem deshalb für Ghost und gegen Substack entschieden, obwohl letzteres mit deutlich weniger manueller Arbeit verbunden gewesen wäre. Substack ist ebenfalls einer dieser Gatekeeper, und ich wollte mich nicht von einer Plattform abhängig machen, deren Geschäftsmodell und politische Überzeugungen ich nicht teile. Ghosts Verhaltenskodex kommt meinem hingegen sehr nahe, und die Flexibilität ist für mich eher ein Feature als ein Bug. Mit Substacks vermeintlichen Netzwerkeffekten geht nämlich einher, dass jeder Blog gleich aussieht. Eine Marke kann man so nur schwer aufbauen.

Und während ich aus den genannten Gründen weiterhin sehr glücklich mit meiner Entscheidung bin, hat Ghosts Commitment zum Fediverse offen gesagt kaum dazu beigetragen. Vor allem, weil es auch sieben Jahre nach der Veröffentlichung keine echten Anwendungsfälle gibt. Ja, ich kann theoretisch einigen WordPress-Blogs oder Threads-Accounts auf Mastodon folgen, aber die meisten bespielen alle Plattformen individuell, via Crossposting-Services oder gar nicht. Damit ist das Fediverse bis dato keine ernst zu nehmende Konkurrenz für die Walled Gardens.

Aber ich schweife ab – zurück zum Newsletter. Ich war überrascht, wie weit das Ghost-Team in nur wenigen Monaten mit der Protokollanbindung gekommen ist. Besonders hellhörig wurde ich bei dieser Passage:

The real breakthrough of the year was when we split the UI into one screen for long-form published content and a separate social feed for everything else — which also allowed us to create an interface for publishing short-form content.

Suddenly, we could see a path to your personal website becoming the single source of your identity on the social web.

Das ist genau das, was ich immer wollte und was mit dem Fediverse zwar greifbar schien, aber nie konkret genug wurde. Jetzt gibt es ein Produkt für diese Vision, das sich nicht nur sehen lassen kann, sondern obendrein ziemlich schnell ist.

Außerdem haben sie eine Brücke zu Bluesky gebaut, das auf dem verwandten AT-Protokoll läuft. Das heißt, ich könnte zum ersten Mal alle relevanten Feeds (bis auf LinkedIn) zentral bespielen. Offiziell wird die Fediverse-Anbindung erst „im Laufe des Jahres“ mit Ghost 6.0 veröffentlicht, aber die Public-Beta soll bereits in den kommenden Wochen anlaufen. Ich werde hier ein Update posten, sobald ich Zugang bekomme. In der Zwischenzeit werde ich kürzere Kommentare zu aktuellen News, die ich bisher nur bei Threads, Bluesky und Mastodon gepostet habe, ebenfalls über Ghost verteilen.

Was bedeutet das für dich?

Wenn du den Newsletter bereits abonniert hast oder dich heute neu anmeldest, erhältst du ab sofort alle Beiträge via E-Mail. Die Frequenz wird je nach Nachrichtenlage und meiner Verfügbarkeit stark variieren. Im Durchschnitt versuche ich aber, nicht mehr als 3–4 Beiträge pro Tag zu posten. Falls dir das dennoch zu viel ist, kannst du einfach am Ende dieser E-Mail auf „Abstellen“ klicken und den Schalter nur bei „Deeper Things“ setzen. Dann erhältst du wie gewohnt nur die längeren Beiträge (nicht mehr als 1–2 pro Woche).

Alternativ sind weiterhin alle Beiträge per RSS-Feed abrufbar und werden jetzt auch automatisch über Zapier auf eigene ATS-Accounts gepostet.


Ghost hat es geschafft, mich zum ersten Mal nicht nur für die Idee des Fediverses zu begeistern, sondern für ein tatsächliches Produkt. Das ActivityPub-Interface könnte die Blaupause für eine neue Art der Verbreitung von Inhalten in sozialen Medien werden und uns vielleicht wirklich langfristig unabhängiger von den Gatekeepern machen.

Das löst natürlich nicht alle gesellschaftlichen Probleme im Zusammenhang mit sozialen Medien, aber es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.