Warum Perplexity TikTok wirklich kaufen sollte
Hinter dem wahllos erscheinenden Gebot steckt mehr, als man denkt.

Ein weiteres Interview, das heute meine Aufmerksamkeit erhascht hat, war eines von Bloomberg mit dem Perplexity-CEO Aravind Srinivas. Wie viele in letzter Zeit hat auch Perplexity seinen Hut als möglicher Käufer des TikTok US-Geschäfts in den Ring geworfen. Es ist zwar extrem unwahrscheinlich, dass sie hier wirklich eine Chance haben, zumal Oracles Verhandlungen schon ziemlich weit zu sein scheinen. Dennoch ist Srinivas’ Begründung für das Gebot recht interessant:
Perplexity reportedly made an offer to merge with TikTok US. Why would a company like TikTok make sense for you guys
Aravind Srinivas: The TikTok search bar gets 30% of Google search traffic today. It’s insane. I’m not even talking about going to someone else’s profile – just people entering organic search queries and TikTok search, especially local searches, are increasingly going there. Even though you still have to scroll through the results, and pick what’s relevant, people like the visual results — especially if you want to know what’s going on in a restaurant right now. What are the vibes? What are other people saying about it?
I think content on TikTok is relevant to those search queries, so we want to bring it on Perplexity and make our results even more useful to the user. This is a big step by itself. We want to compete with Google. Everybody talks about search being a distribution game. This is going to solve the problem instantly. No one’s ever had an explicit search product with that level of surface area that can truly make Google treat you as a genuine competitor. Microsoft has some search market share, but it’s increasingly on the Windows desktop devices. They have very little mobile traffic. Most of the ad revenue, 60%-70% of Google’s ad revenue, comes from mobile advertising. This is the biggest threat to Google.
Diesem Argument kann ich einiges abgewinnen, denn es ist mein eigenes. AI-Chatinterfaces bieten eine bessere Benutzererfahrung als Googles Ten Blue Links. Letztlich ist es jedoch trotzdem eine Textwand, die vor allem Jüngere heute kaum noch tolerieren. In User Experience ist der neue Burggraben, habe ich Folgendes geschrieben:
Die Aufbereitung von Informationen für visuelle und auditive Lerner ist meiner Meinung nach essenziell. Über zwei Jahre nach dem ChatGPT-Durchbruch sind AI-Chatbots noch überwiegend textbasiert. Es gibt jedoch einen Grund, warum Podcasts und Videoinhalte seit Jahren an Aufmerksamkeit gewinnen, während rein textbasierte Netzwerke allgemein an Bedeutung verlieren: Die große Mehrheit möchte nicht lesen.
AI-Apps müssen sich deshalb früher oder später in diese Richtung entwickeln. Perplexity hat mit seinen Aktiencharts und gesprochenen Nachrichtenartikeln vorgelegt, und mit der ElevenLabs Reader-App ist es bereits relativ einfach, URLs in Podcasts zu verwandeln. Aber der Ottonormalverbraucher wird damit weiterhin nicht erreicht.
Natürlich ist das auch eine Kostenfrage. Die Erstellung von Audio- und insbesondere Videoinhalten ist derzeit noch viel teurer als die reine Textausgabe. Wenn es jedoch eines Tages möglich wäre, die Antwort wahlweise als Kurzvideo zu erhalten, könnten sich dadurch ganz neue Anwendungsfälle ergeben wie individuelle How-tos und Erklärvideos.
TikTok wäre der Shortcut zu diesen kostengünstigen Videoinhalten, mit denen man Perplexitys Antworten multimodaler gestalten könnte. Ironischerweise ist ausgerechnet ihr Erzrivale Google mit seinen Millionen YouTube-Creatorn hier bereits bestens aufgestellt und muss dafür kein milliardenschweres chinesisches Unternehmen kaufen.